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Die Bahnhofsmission im Nationalsozialismus
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann der systematische Prozess der Verdrängung konfessioneller
Arbeit und der Gleichschaltung privater und öffentlicher Wohlfahrtspflege. Die Bahnhofsmissionen konnten zwar die
ersten Versuche einer Übernahme ihrer Einrichtungen durch die NS-Frauenschaft im Jahre 1933 erfolgreich abwenden,
nicht aber die Einrichtung eigener Bahnhofsdienste der NSV ("Nationalsozialistische Volkswohlfahrt") seit 1936
verhindern.
Nach der Bekanntgabe des Verbotes der Bahnhofsmissionen im Juli 1939 wurden die letzten der insgesamt 350
evangelischen und katholischen Bahnhofsmissionen bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs geschlossen.
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Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
Nahezu unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Regimes nahmen auch die ersten Bahnhofsmissionen ihre Arbeit wieder
auf. Ehemalige Mitarbeiter und freiwillige Helfer beteiligten sich am Wiederaufbau der Bahnhofsmissionen mit allem
Rückhalt bei den evangelischen und katholischen Trägern, deren Organisation nach 1939 nicht aufgelöst worden war.
Unzählige Menschen waren unterwegs: Familien, Kriegsheimkehrer, Vertriebene und Flüchtlinge.
Neben die Hilfe für Kriegsheimkehrer und Vertriebene trat ab den 50-er Jahren auch die Hilfen für Interzonen-Reisende,
illegale Grenzgänger, Rückwanderer in die DDR und Abgeschobene.
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"Ein 70jähriger polnischer Rentner will ins Sauerland. Von Polen kommend, sitzt er im falschen Kurswagen und landet
so in Dortmund. Seine Verwandten erwarten ihn an einem bestimmten Bahnhof. Man hat ihm schon helfen wollen, aber
alles war bisher vergeblich. Ganz verzweifelt ist er bei uns. Nach einigen Bemühungen gelingt es, die Verwandten
hier nach Dortmund zu dirigieren. So wird er mit dem Auto hier abgeholt. Überwältigt vor Freude, dass wir das
möglich gemacht haben, fängt er an zu weinen. Er weiß nicht, wie er uns danken kann und sagt, dass ihm etwas so
Gutes in seinem ganzen Leben noch nicht widerfahren sei."
(aus: Dienstbuch der Bahnhofsmission Dortmund, 1971)
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"Am 30.07.1977 kam aus Kassel eine junge Irin zur Bahnhofsmission. Sie hatte durch ihren Vater in der Nähe von Kassel
eine Stelle als Pferdepflegerin angenommen. Diesen Beruf hatte sie zu Hause in Dublin gelernt. Nach einer Woche Arbeit
mußte sie zusätzlich auch in einer Kneipe arbeiten. Sie erhielt in der Woche 20 DM für die ganze Arbeit. Nachdem sie
grundlos geschlagen wurde, verließ sie die Arbeitsstätte und wollte zurück nach Hause. Von der Bahnhofsmission in
Kassel bekam sie eine Fahrkarte bis Dortmund.
Hier konnten wir ihr mit Hilfe des "Diakonischen Werkes" eine Fahrkarte nach Amsterdam besorgen. Von dort hatte sie
ein Flugticket nach Dublin. Sie sprach kein Wort Deutsch! Die Verständigung fand in englischer Sprache statt, was aber
keine Schwierigkeiten bedeutete. Die ganze Zeit machte sie einen sehr niedergeschlagenen Eindruck und sprach bei
Unterhaltungen fast ausschließlich von zu Hause und ihrem Vater.
Sie war jedoch, nachdem sie wußte, dass sie zurück nach Hause konnte, recht aufgelockert und dankte sehr herzlich für
die Hilfe. Falls sie ihr Wort halten kann, kommt sie im nächsten Jahr zurück, um uns zu besuchen.
I hope so! Thank you!"
(aus: Dienstbuch der Bahnhofsmission Dortmund, 1977)
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